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„Schluuch – Geschichten“ /
Exposé
Nach 53 Betriebsjahren verkaufte die Familie
Dettwiler aus Kleinbasel im Frühjahr 2001 die
Liegenschaft an der Greifengasse 6 mit dem
dazugehörenden Gastronomiebetrieb „Zem alte Schluuch“.
Kein Betrieb steht enger in Verbindung mit der
Entwicklung eines ganzen Stadtteils, wie dieses zum
Teil berüchtigte Restaurant in Kleinbasel.
An der Schiffsanlegestelle des Rheinufers gelegen,
repräsentiert der Betrieb erst einmal die
Bedürfnisse der Matrosen und Hafenarbeiter vor 50
Jahren.
Mit dem Wachstum der Wirtschaft wächst auch das
„mindere Basel“, wie Kleinbasel auf Grund seiner
Arbeiterpopulation von den Baslerbürgern genannt
wird. Die Arbeitergesellschaft vermischt sich mit
den Freizeitangeboten aus der Prostitution und der
Unterhaltung in Lichtspieltheatern und Musikcasinos.
Die Vergnügungsmeile entsteht.
So entwickelt sich das Arbeiterrestaurant zum
Ausgehrestaurant, das auch von den Grossbaslern gut
und gerne besucht wird. Das ist die goldige Zeit des
„z’Gass gooh“, wie sich das Ausgehverhalten der
Basler umgangssprachlich benennt. Dabei schlagen die
Vereinigungen rund um die Basler Fasnacht die
klassenübergreifende Brücke.
Ende der Siebzigerjahre wird Europa von einer Flut
Drogen überrollt, das Angebot macht vor Basel nicht
halt. Die Grossbasler verjagen die „Drögeler“ aus
ihrem Gesichtsfeld rund um den Barfüsserplatz,
Junkies und Dealer verbreiten sich daraufhin
unkontrolliert in Kleinbasel.
Aus den Augen – aber überhaupt nicht aus dem Sinn!
So folgt das Unausweichliche, das Ausgehrestaurant „Zem
alte Schluuch“ wird wegen seiner strategisch
günstigen Lage zwischen Hauptbahnhof und Mustermesse
vom Drogenhandel in Besitz genommen. Inzwischen ist
Herr Dettwiler gestorben, Frau Dettwiler führt den
Betrieb alleine weiter und wird zur umstrittenen
„Mutter der Gasse“.
Jetzt ist der Begriff „Gasse“ behaftet mit Drogen
und Kriminalität. Zehn Jahre später schliesst Frau
Dettwiler den Betrieb und lässt die Liegenschaft
aufwendig renovieren. Gleichzeitig etabliert sich
die Kulturwerkstatt Kaserne und die Basler
Kulturzwischennutzungsmodelle der „Stadtgärtnerei“
und des „Schlotterbeck“ erhalten Schulcharakter, der
weit über die Schweizergrenze hinaus Wellen schlägt.
Jetzt ist der „alte Schluuch“ ein gefragtes und sehr
gut besuchtes Kulturrestaurant mit Ausstellungen,
Lesungen und Konzerten.
Bis zu seinem Verkauf 2001.
Die „Schluuch – Geschichten“ sollen dem Phänomen des
Wechsels von diesem Betrieb - wie auch vom ganzen
Quartier - gerecht werden, indem die über 50 Jahre
Betriebszeit thematisch in die fünf Unterbegriffe
Beziehungen – Geschäft – Milieu – Drogen – Kunst
aufgegliedert sind.
Zu jedem Thema erzählt Frau Dettwiler ihre
Geschichte. Ein themenbezogenes Memoriam von einer
verstorbenen Schlüsselperson hat dann ebenso Platz,
wie eine erheiternde Anekdote aus dem Umfeld. Die
Authentizität der Geschichten ist doppelt
gewährleistet, weil ihr Autor Herbert Blaser selber
vier Jahre im „Zem alte Schluuch“ gearbeitet hat,
bevor er die Kulturbar Roxy im Kulturzentrum
gleichen Namens renovierte und übernahm. |
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